Kurze Tage, frostige Temperaturen: In den kalten Monaten ticken die biologischen Uhren langsamer. Wie wirkt sich die lichtarme Winterzeit auf den menschlichen Organismus aus?

Tierische Überlebenstricks

Evolutionsbiologisch ist der Körper vieler Wildtiere darauf programmiert, in der kalten Jahreszeit auf Sparflamme zu arbeiten. Um das begrenzte Nahrungsangebot zu überbrücken, werden alle lebenswichtigen, Kraftstoff zehrenden Funktionen auf ein Minimum reduziert. Eingelagerte Energiereserven sichern das Überleben. Den Impuls geben hormonelle Umstellungen, die Tageslänge und die „innere Uhr“, die den Jahresrhythmus steuert.

Der menschliche Rhythmus

Jede Zelle im menschlichen Körper, jedes Gewebe und jedes Organ besitzt eine eigene Zeitrechnung 1. Das ergaben chronobiologische Studien, welche die Zusammenhänge zwischen Physio­logie und dem Faktor Zeit erforschen. Sie belegen ebenfalls, dass Tageslicht ein wesentlicher Faktor ist, um die inneren Taktgeber zu steuern. Der Licht-Dunkel-Wechsel der Umwelt synchronisiert den menschlichen Gesamtorganismus und ordnet die Lebensvorgänge in den Tagesablauf ein. Übrigens: 2017 erhielten die Entdecker dieses zirkadianen Rhythmus den Medizinnobelpreis.
Ein bahnbrechender Meilenstein der Forschung.

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Igel atmen während des Winterschlafs statt 40 bis 50 Mal nur noch ein bis zwei Mal pro Minute.2

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Wusstest du, dass sich die Tageslichtdauer innerhalb Deutschlands unterscheidet? Der kürzeste Tag des Jahres (22. Dezember) ist in List auf Sylt nur sieben Stunden lang – mehr als eine Stunde kürzer als im südlich gelegenen Berchtesgaden.3

Rücksicht auf den Rhythmus?

Der Wecker reißt uns bei voller Dunkelheit unsanft aus den Träumen. Früh aufstehen, das Haus bei Nacht verlassen, künstliches Licht: Der Alltag läuft Sommer wie Winter nach der ähnlichen Stechzeit. Arbeitet der westliche Lebensstil gegen die Genetik der „inneren Uhr“? Das belegen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen. In Dunkelheit richtig zu funktionieren, ist für den Körper eine Herausforderung. Denn erst Lichtstrahlen regen die Ausschüttung des Wachhormons Serotonin an. Es lässt uns frisch und fit werden. Melatonin hingegen fördert die Müdigkeit. Durch die geringe Lichtintensität im Winter setzt der Körper grundsätzlich mehr Schlafhormone frei. Wird er durch künstliches Licht noch stärker vom natürlichen Tageskreislauf entkoppelt, kann unser gesamter Schlaf-Wach-Rhythmus aus der Balance geraten. Das Ergebnis: Wir sind unkonzentriert und weniger leistungsfähig.

Lichtarmut und Winterblues?

Das Wachmacher-Hormon Serotonin spielt eine zweite wichtige Rolle: Es erhellt die Stimmung und macht zufrieden. Dass der Körper im Winter weniger dieses Glückshormons produziert, ist einer der physiologischen Gründe für Schlappheit, Melancholie und Antriebsschwäche während der lichtarmen Monate von Dezember bis Februar – dem klassischen Winterblues. Einer repräsentativen Umfrage zufolge fallen 36 % der Frauen und 24 % der Männer während der kalten Monate in ein unschönes Stimmungstief 4.

Tipps für deinen Bio-Rhytmus in der lichtarmen Jahreszeit

Den Alltag in perfekter Rücksicht auf die natürlichen Gegebenheiten auszurichten, ist in unserer Nonstop-Gesellschaft schwierig. Mit ein paar Kniffen förderst du dein hormonelles Gleichgewicht, unterstützt deinen Körper bei seinem winter-lichen Urbedürfnis nach Regeneration und bleibst leistungsfähig.

Tanke so viel natürliches Licht wie möglich.
Dick einpacken und eine Runde spazieren gehen: Verbringe deine Mittagspause an der frischen Luft. Wenn es die Temperaturen zulassen, halte dich gerne ohne Mütze, Handschuhe und Schal auf. So erreicht das Sonnenlicht möglichst große Hautflächen. 

Setze dich vor eine Tageslichtlampe.
Mittlerweile ist Lichttherapie gegen Winterblues offiziell als wirksam anerkannt. Jeden Morgen 30 Minuten vor einer Speziallampe hilft deinem Körper, die Melatonin-Produktion während der dunklen Monate besser zu regeln. Begleitend zu deinem Frühstück lässt sich die tägliche Lichtdosis unkompliziert in deinen täglichen Ablauf integrieren. 

Ergänze mit Vitamin D-Präparaten.
Besonders in der dunklen Jahreszeit setzt der Körper nicht genügend Sonnenvitamin frei. Vitamin D hängt direkt mit der Ausschüttung von Serotonin zusammen5. Bevor du deine Nahrung supplementierst, empfehlen wir dir, deinen Vitamin-D-Gehalt mit einer Laboranalyse oder einem Präventions-Check überprüfen zu lassen.

Versorge dich mit Vitalstoffen und Mineralien.
Vitalstoffe und Mineralien unterstützen deinen Organismus in der trüben Jahreszeit, halten deinen Hormonhaushalt besser in Balance und können so dein Energielevel anheben.

Iss bunte, saisonale Lebensmittel.
Erntefrische Wintergemüse wie Grünkohl, rote Bete, Pastinaken oder Feldsalat enthalten ein Maximum an gesunden Nährstoffen – mehr als Lebensmittel aus dem Gewächshaus.

Schaffe eine wohlige Winterschlaf-Umgebung.
Damit sich dein Körper während seinen Ruhephasen optimal regenerieren kann, kümmere dich um einen behaglichen Rückzugsort. Sorge zum Beispiel für so wenig Elektrosmog wie möglich, Bettwäsche aus Naturmaterialien und eine bioenergetische Schlaf-Gesund-Lösung. 

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Quellen

  1. Zylka-Menhorn, Vera; Lenzen-Schulte, Martina. Nobelpreis für Medizin und Physiologie: Warum jeder Mensch über einen regelrechten „Uhrenladen“ verfügt. 2017. Deutsches Ärzteblatt.
  2. https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/02722.html (zuletzt aufgerufen am 04.10.2023)
  3. https://de.statista.com/infografik/17559/tageslichtdauer-in-deutschland/ (zuletzt aufgerufen am 04.10.2023)
  4. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/38402/umfrage/stimmung-im-winter/
    (zuletzt aufgerufen am 24.10.2023)
  5. Patrick RP, Ames BN: Vitamin D and the omega-3 fatty acids control serotonin synthesis and action, part 2: relevance for ADHD, bipolar disorder, schizophrenia, and impulsive behavior. 2015. Epub.